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Teenager

Ein Beruf, der die Umwelt schützt: Fachkraft für Abwassertechnik

Hanka Meves-Fricke · 25.01.2024

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Angehende Fachkraft für Abwassertechnik Marie-Luise Krause © Wenke Atkins

Angehende Fachkraft für Abwassertechnik Marie-Luise Krause © Wenke Atkins

Auf dem Weg zum Klärwerk Köln-Weiden geht mir durch den Kopf, dass ich nicht wirklich weiß, was eine Fachkraft für Abwassertechnik macht. Dabei habe ich mir vor dem Interview die dazu passenden Internetseiten angesehen, sogar gründlich, und nicht nur die der Stadtentwässerungsbetriebe Köln, StEB Köln. Was soll's?

Ich hoffe, Marie-Luise Krause, genannt Malu, wird mir alles erklären. So ist es dann auch: Denn Malu kennt sich aus und macht mir gleich zu Anfang klar, dass ihre Arbeit viel mit Umweltschutz zu tun hat.

Handwerkliches Geschick gefragt

In ihrer Schulzeit hat die heute 24-Jährige bei einem Girls‘ Day in ihrem Wohnort die Abwasserbetriebe besucht. „Das wäre was für mich“, dachte Malu. „Ich wollte einen besonderen Beruf lernen, irgendwas, auf das man nicht so schnell kommt.“

Malu führt uns über das Klärwerk: zwei riesige runde Türme, Wasserbecken und einige Gebäude. Das Gelände ist weitläufig. Ab und zu erreicht uns ein müffelnder Geruch. Doch was verbirgt sich in den Türmen, Becken, Gebäuden?

Ein digitales Leitsystem steuert alles

„Wir lernen, die Abwasseranlage zu steuern“, erklärt uns Malu. „Wir beschäftigen uns mit Arbeiten, mit denen wir vorher nie zu tun hatten, analysieren zum Beispiel das Wasser, lernen viel über Mikroorganismen, die nützlich oder schädlich sein können, schützen so die Umwelt. Unsere Ausbildung beinhaltet Elektrotechnik, Schlosserarbeiten, aber auch den Umgang mit Computern. Hier ist die Steuerung digitalisiert. Das ist alles vielfältig.“

Per Leitsystem die Anlage steuern © Wenke Atkins
Per Leitsystem die Anlage steuern © Wenke Atkins

Kann man alles gleich gut können? Sie schüttelt den Kopf. „Wir spezialisieren uns in der Ausbildung. Wichtige Voraussetzung ist jedoch Interesse an Naturwissenschaften, besonders an Chemie und Mathematik.“

Praktika helfen bei der Entscheidung für einen Beruf

Malu hat vor der Ausbildung einen Realschulabschluss gemacht. Ihre erste Bewerbung bei den Abwasserbetrieben im Aggerverband wurde abgelehnt. Darum hat sie sich in anderen Berufen umgesehen,Praktika gemacht. „Ich habe als Friedhofsgärtnerin gearbeitet. Auch das ist spannend und ein besonderer Beruf.“ Dann hat sie sich bei den StEB Köln beworben. „Ein Glücksfall für mich, dass sie mich genommen haben. Nach Köln gekommen bin ich über einen Japanisch-Kurs. Dann habe ich meinen Freund kennengelernt und mich in die Stadt verliebt. Als Kind waren mir viele Menschen zuviel. Jetzt genieße ich den Trubel. In einer Großstadt ist man unter Menschen, aber auch für sich allein. Zudem ist Köln nicht zu weit entfernt von meinem Heimatort Bergneustadt.“ Da die Mieten hoch sind, teilt sich Malu ihre Zwei-Zimmer-Wohnung mit ihrem Freund und dessen Mutter, die nur vier Tage pro Woche zu Hause sind. Mit der Ausbildungsvergütung kommt sie über die Runden. Sie hat gelernt zu wirtschaften. Das Ausbildungsklärwerk der StEB Köln im Stadtteil Weiden ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen. Das Unternehmen übernimmt für Auszubildende die Fahrtkosten, jetzt das Deutschlandticket. Ihr Berufskolleg liegt in Gelsenkirchen, fast zwei Stunden von Köln entfernt. Der Unterricht erfolgt in Blöcken, die zumeist drei Wochen lang sind. Die Auszubildenden wohnen in einem Hostel neben der Schule.

Bei Störungen schnell reagieren

Köln hat fünf Klärwerke. Vier davon sind Außenklärwerke. Allein das Klärwerk Köln-Weiden reinigt das Abwasser von 62.000 Einwohner:innen. Die Kolleg:innen arbeiten von Montag bis Donnerstag von 7 bis 16 Uhr und freitags von 7 bis 12 Uhr. Zudem gibt es Bereitschaftsdienste, zu denen Auszubildende jedoch noch nicht eingeteilt werden. Das Großklärwerk in Köln-Stammheim rollt in Schichtarbeit. Abwasserreinigung muss rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche erfolgen. Am Morgen schauen Malu und ihre Kolleg:innen als Erstes auf ihr digitales Leitsystem. Es zeigt an, ob es Störungen gibt. Wenn das der Fall ist, müssen sie schnell reagieren, wie zum Beispiel bei dem Hochwasser im Ahrtal, das Auswirkungen bis nach Köln hatte. Mit dem Leitsystem können die Mitarbeiter:innen die Anlage steuern, sehen, ob Regler offen oder geschlossen sind. Nach der ersten Prüfung gehen sie die einzelnen Stationen ab: 1. das Einlaufpumpwerk, 2. die mechanische Reinigung in der Rechenanlage, 3. die biologische Reinigung in den Belebungsbecken, in denen Mikroorganismen für die Umwelt arbeiten, 4. die Nachklärbecken, 5. die Faulbehälter, in denen der Klärschlamm bei circa 38 Grad Celsius über 28 Tage lang vergärt. Das funktioniert ähnlich wie eine Biogasanlage. Das Gas wird in speziellen Behälterngesammelt. Die StEB Köln decken damit bis zu 98 Prozent ihres Strom- und 100 Prozent des Wärmebedarfs. In den Gebäuden befinden sich das Leitsystem und die Ausbildungsräume. Durch die Keller laufen lange Rohre mit einem komplizierten Reglersystem.

Mal drinnen, mal draußen

Die praktische Ausbildung kann körperlich anstrengend sein. Auf dem Gelände befinden sich schwere Motoren. „Wir haben Hilfsmittel, um sie zu bewegen, aber ich kann auch immer Kolleg:innen fragen.“ Malu lächelt mich an: „Manchmal arbeiten wir im Büro, aber etwa die Hälfte der Arbeitszeit sind wir im Außengelände. Es gibt Zeiten, in denen man allein, und Zeiten, in denen man im Team arbeitet. All das gefällt mir.“ Einmal im Jahr übernehmen Auszubildende aus verschiedenen Fachrichtungen für einige Zeit den Betrieb der Kläranlage in Köln-Weiden. Dann übernehmen sie alle Aufgaben von der Klärwerksleitung bis zu den anfallenden Tagesaufgaben.

Noch weiß Malu nicht, ob sie nach den drei Ausbildungsjahren weiterlernen möchte. Sie ist erst im ersten Jahr. Aber sie weiß, dass ihre Arbeit wichtig ist. „Kollegen haben mir erzählt, wie im Großklärwerk Köln-Stammheim während der Pandemie das Abwasser auf Viren untersucht wurde, um bessere Einschätzungen zur Corona-Lage geben zu können. Das finde ich spannend, das ist Umweltschutz.“ Sie empfiehlt, vor der Ausbildung ein Praktikum zu machen. Die StEBKöln bildet Fachkräfte für Abwassertechnik und andere Berufe aus.

Auszubildende Malu Krause im Labor © Wenke Atkins
Auszubildende Malu Krause im Labor © Wenke Atkins

Und ein Wunsch an die Kölner:innen

Als ich Malu und ihre Ausbilderin, Christiane Hinrichs, frage, ob sie Wünsche an die Kölner:innen haben, sind sie sich einig: „Werft nur das, was in die Toilette gehört, hinein, also unsere Exkremente und Papier. Alles andere verstopft das Abwassersystem. Das kann für uns gefährlich werden. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.“

Ausbildung: Fachkraft für Abwassertechnik

Voraussetzungen:

  • Mittlerer Bildungsabschluss, Realschulabschluss
  • Interesse an Chemie, Mathematik, Umwelt und Teamarbeit, handwerkliche Fähigkeiten, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein, Fähigkeit zum schnellen Eingreifen bei Störungen

Inhalte:

  • Zur Ausbildung gehören Deutsch und Kommunikation, Chemie und Mathematik, handwerkliche Tätigkeiten wie Elektrotechnik und Schlosserarbeiten

Weiterbildung:

  • Meister:in
  • Techniker:in
  • Studium in technischen und umwelttechnischen Bereichen

Vergütung:

  1. Lehrjahr circa 1.100 Euro
  2. Lehrjahr circa 1.200 Euro
  3. Lehrjahr circa 1.250 Euro

Die StEB Köln übernimmt für Auszubildende die Fahrtkosten (z. Zt. das Deutschlandticket).

Infos:

www.web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/14755

www.steb-koeln.de/karriere/ausbildung-bei-den-steb-koeln

 

Weitere Ausbildungsberufe findet ihr in unserer Berufe-Check-Übersicht.

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