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Wo und mit wem entbinde ich?

Jede Geburt ist anders. Und jede Frau hat für sich und ihr Baby ganz bestimmte Wünsche. So sind die Entscheidungen der Schwangeren, wo und mit wem sie entbinden, ganz unterschiedlich. BabySpezial stellt sechs Mütter vor.


©istock_molka
Das Perinatalzentrum

Als Filomena Santisi (32) in die 30. Schwangerschaftswoche kam, stieg die Menge ihres Fruchtwassers stark an. Sie hatte fast sechs Liter Fruchtwasser, eineinhalb wären zu diesem Zeitpunkt normal gewesen. „Mein Bauch war so dick, dass ich mich kaum bewegen konnte“, sagt sie. „Da ich bereits zwei Kinder hatte, ging zu Hause gar nichts mehr.“ Ihre Frauenärztin überwies sie an das Perinatalzentrum einer Universitätsklinik, also eine Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderklinik, in der Früh- und Neugeborene versorgt werden können. „In meinem Fall bestand das Risiko, dass die Plazenta sich ablöst. Das ruft starke Blutungen hervor und kann zum Tod des Kindes führen“, sagt Filomena Santisi. Inzwischen sind sie und ihr Sohn Filipo wohlauf. Die Geburt wurde in der 36. Woche eingeleitet, einen Inkubator (Brutkasten) brauchte Filippo nicht.

Die Klinik für Geburtshilfe
„Wir haben zwei Krankenhäuser mit Entbindungsstation in der Nähe“, sagt Tanja Kreuch (27) aus Bornheim. „Mein Lebensgefährte und ich haben uns beide Häuser angesehen und fühlten uns in einem der beiden einfach besser angesprochen. Der Kreißsaal ist mit dem OP auf einer Etage. Das hat uns beruhigt für den Fall, dass das Kind per Kaiserschnitt geholt werden muss. Außerdem findet man dort leichter einen Parkplatz. Wer weiß, wie schnell das Baby kommt.“ Tanja Kreuch erwartet ihr erstes Kind, einen Sohn. Sie ist in der 36. Woche und blickt auf eine vollkommen problemlose Schwangerschaft zurück. „Mir ging es die ganze Zeit prima. Ich hatte keine Übelkeit, war kaum müde. Wenn ich nicht den dicken Bauch hätte, wüsste ich nicht, dass ich schwanger bin.“

Die Hausgeburt
Die zweijährige Elsa ist im Schlafzimmer ihrer Eltern in Köln-Lindenthal zur Welt gekommen. „Wir hatten die Hausgeburt geplant“, sagt ihre Mutter Anna Roil (30). „Es ging sehr gut, die Stimmung war so entspannt. Eine Klinikatmosphäre konnten mein Freund und ich uns gar nicht vorstellen.“ Nun ist Anna Roil mit ihrem zweiten Kind hochschwanger. Für sie steht fest, dass sie wieder zu Hause entbindet. Während in den Niederlanden die Hausgeburtsrate bei etwa 30 Prozent liegt, ist sie in Deutschland verschwindend gering. „Dabei belegen Statistiken, dass Hausgeburten nicht unsicherer sind als Klinikgeburten, sofern Mutter und Kind gesund sind“, meint Anna Roil. Das Risiko, sich mit fremden Keimen zu infizieren, bestehe bei einer Hausgeburt jedenfalls nicht. „Uns haben viele Verwandte und Bekannte gesagt, wir seien unvernünftig. Deshalb kamen uns immer wieder Zweifel. Bestärkt haben uns positive Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis.“
Informationen gibt der Deutsche Fachverband für Hausgeburtshilfe
www.dfh-hebammen.de

Das Geburtshaus
Miro war vier Stunden alt, als er mit seiner Mutter das Geburtshaus in Köln-Ehrenfeld verließ. „Es war eine Wassergeburt, Miro kam in der Wanne zur Welt“, erzählt Katja Friedrich (33). Sie hat bereits zwei Söhne, von denen der erste in einer Geburtsklinik zur Welt kam, der zweite im Geburtshaus. „Wir finden die Atmosphäre dort sehr angenehm. Es ist nicht wie in einer Klinik, wo ständig etwas piepst oder hier die Hebamme rausgeht, dort der Arzt reinkommt.“ Auch über eine Hausgeburt hatte Katja Friedrich nachgedacht. „Da stellte sich allerdings die Frage, wie Janosch und Marlon reagieren würden, wenn ich unter Schmerzen schreie. Das wollte ich den beiden nicht zumuten.“
Die Geburtshäuser bieten außerdem Geburtsvorbereitungskurse, Vor- und Nachsorge, Stillberatung sowie Akupunktur an. Das Hebammenteam ist drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin per Rufbereitschaft jederzeit erreichbar.
www.koelner-geburtshaus.de
www.geburtshaus-bonn.de


Die Beleghebamme
Die kleine Franziska ist zwei Tage alt. Während sie in den Armen ihrer Mutter liegt, stupst sie ihr mit dem Mund an die Brust. „Sie möchte trinken“, sagt Melanie Spich (31) glücklich. Die beiden sind noch in der Geburtsklinik, in die Melanie Spich mit ihrer Beleghebamme gekommen ist. Obwohl die Geburt gut verlaufen ist, darf Franziska noch nicht nach Hause, denn sie hat noch kein Gewicht von 2500 Gramm. Sie kam in der 38. Woche mit 2465 Gramm zur Welt und soll noch zunehmen. „Die Ärzte meinen, ich solle zufüttern, doch meine Hebamme macht mir Mut, es nur mit dem Stillen zu versuchen“, sagt Melanie Spich. Sie hat volles Vertrauen zu ihrer Beleghebamme, in deren Praxis sie auch den Geburtsvorbereitungskurs besucht hat. Als die Wehen in regelmäßigen Abständen kamen, kam die Hebamme zunächst zu Melanie Spich nach Wesseling, von dort fuhren sie gemeinsam ins Krankenhaus. „Ich habe mich sehr sicher gefühlt“, sagt die junge Mutter. Bereits in der 10. Schwangerschaftswoche hatte sie sich um ihre Beleghebamme gekümmert. „Man muss sehr schnell sein.“

Die Doula
„Mein Mann ist Israeli, wir leben viel in Israel“, erzählt Gabriela Börschmann (36). „Dort ist es unter Schwangeren sehr populär, eine Doula zu haben.“ Doulas (altgriechisch: Dienerin der Frau) begleiten werdende Mütter nicht medizinisch, sondern emotional. Ihr Ziel ist, die Schwangere vertrauensvoll auf eine aktive Geburt vorzubereiten. Eine Studie besagt, dass diese Unterstützung statistisch die Dauer der Geburt verkürzt und die Kaiserschnittrate senkt. Da Gabriela Börschmann schon zu Beginn ihrer zweiten Schwangerschaft wusste, dass sie für die Geburt ins Rheinland kommen würde, mailte sie eine Kölner Doula aus Tel Aviv an. „Damals war ich wegen der Übelkeit fix und fertig. Meine Doula hat sehr persönlich und sehr schnell geantwortet. Sie war ganz bei mir.“ Inzwischen kennen die beiden sich persönlich, selbstverständlich wird die Doula mit ins Krankenhaus gehen, wenn das Baby kommt.
Doulas berechnen für ihre Dienste pauschal 450,00 Euro. www.doulas-in-deutschland.de





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